Ein jeder, der (noch) liest, hat seine Interessen und Vorlieben. Ich stelle auf dieser Seite einige beispielhafte Bücher vor, die mich besonders beeindruckt haben.

Carlos Ruiz Zafón: "Der Schatten des Windes"

Ein Buch, das mich restlos begeistert! - Mein Lieblingsbuch.

So sollte Literatur sein! Selten habe ich Phantasievolleres gelesen. Nichts ist in dem Buch zu finden, was nicht passt. Die Geschichte ist abenteuerlich und spannend, die Handlungsstränge geschickt angeordnet, manchmal nahezu atemberaubend. Die „Idee" des Buches ist geradezu genial. Emotionen kommen nicht zu kurz. Die Charaktere sind stimmig und wundervoll gezeichnet, und das gesamte Werk ist atmosphärisch dicht und in einer wunderschönen Sprache geschrieben.
Dieses Buch ist eine einzige Hommage ans Lesen. ein Meisterwerk, das zu den seltenen Büchern zählt, die ein Leser nicht eher aus der Hand legen möchte, bis er ans Ende gelangt ist.
Isabel Allende: "Die Geschichten der Eva Luna"

Wer - wie ich - gerne Geschichten schreibt und erzählt, liest auch gerne Geschichten, und nirgendwo wird der neugierige Leser fündiger als bei Autoren aus Südamerika.
Weit spannt sich der Bogen dieser 23 Geschichten. In Atmosphäre, Szenerie und Thematik sind sie so abwechslungsreich wie das erzählerische Temperament ihrer Autorin, die ich deswegen schätze wie kaum jemanden sonst. Was mich bei Allende zudem immer wieder begeistert, ist die hervorragende Arbeit ihrer Übersetzerinnen, die Allendes Geschichten in ein beispielhaft gutes Deutsch überträgt.
John Irving: "Gottes Werk und Teufels Beitrag"

Wer Irving mag, fragt sich bestimmt: "Was ist sein bestes Werk?" Ich habe mich für dieses entschieden, für einen Roman über die endlosen Mühen der sexuellen Emanzipation, über den langen historischen Weg aus der Bigotterie - sicherlích in den Staaten noch beschwerlicher als in Europa -, geschrieben von einem Mann, mit einem Mann als Helden, kein bisschen feministisch und doch ein flammendes Werk für die Frauen!
Dieses Buch ist einfach alles: humorvolle Tragödie, Gesellschaftskritik, Liebesdrama und sogar ein medizinisches Handbuch, ein typisches Irving-Werk.
Paulo Coelho: "Der Alchimist"

Ein wunderschönes Buch, das wie kaum kein anderes beschreibt, dass alles im Leben einen Sinn hat, dass man sich von Altem trennen muss, um Platz für Neues zu schaffen, und dass es wichtig ist, auf sein Herz zu hören.
Die Geschichte ist ein bezaubernd und spannend geschildertes Gleichnis von der Suche nach dem Kern der Dinge und verbindet die Erzählkunst der Südamerikaner mit esoterisch-philosophischen Ansätzen, die bei Coelho immer wieder zu finden sind.
Umberto Eco: "Das Foucaultsche Pendel"

Drei Mailänder Verlagslektoren beschließen, nachdem sie zuviel Umgang mit Autoren "auf eigene Kosten" hatten, die sich an okkulten Wissenschaften, Geheimbünden und kosmischen Komplotten ergötzten, aus reiner Spiel- und Spottlust und ohne jedes Verantwortungsgefühl einen großen Weltverschwörungsplan zu entwerfen. Doch niemand nimmt sie ernst.
In diesem Roman lockt Eco den Leser auf tausend Fährten, erzählt ihm tausend Geschichten und lässt - mehr noch als im "Der Name der Rose" Ungeheures auf Intimes oder Weisheit auf Wahnsinn folgen. Jeder Leser findet in dem Buch seine Droge, wo er sich denn mit Ecos Sprache anfreunden kann, die dem Leser viel abverlangt.
Pascal Mercier "Nachtzug nach Lissabon"

Nachdem ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen hatte, war mir klar, endlich wieder einmal ein deutschsprachiges Buch in der Hand zu halten, das einen Platz auf meiner persönlichen Bestenliste beanspruchen darf.
Der Autor Pascal Mercier, hinter dem sich der Schweizer Philosophieprofessor Peter Bieri verbirgt, erzählt ein Geschichte, wie sie gewöhnlich nur die Südamerikaner oder Spanier zu erzählen wissen: Ein Lateinlehrer aus Bern hat eine Zufallsbegegnung mit einer Portugiesin, fängt sich an für das Land und die Sprache zu interessieren, kauft sich ein Buch, das ihn in seinen Bann zieht, verlässt einfach seine Schule und begibt sich nach Lissabon, um den Spuren des Autors folgen.
Merciers Buch erzählt auf zwei Ebenen: die Ebene Prado, des Portugiesischen Arztes und Widerstandkämpfers, und die Ebene Gregorius, des Gymnasiallehrers. Prado lebt nicht mehr, doch sucht Gregorius eine Reihe von Menschen auf, die ihn kannten und ihn, sein Leben, sein Denken verständlich machen. Eigentlich begibt sich Gregorius auf die Suche nach sich selbst. Der Leser erlebt die behutsame Wandlung Gregorius’ vom pflichtbewussten Lateinlehrer in einen sich öffnenden, neugierigen Menschen, der letztlich nach Hause zurückkehrt, um eine ihn belastende – womöglich tödliche – Krankheit zu behandeln. Doch ist es ihm gelungen, eine weite Reise zu unternehmen, eine Reise ins Denken, ins Innere.
Mercier erzählt wortgewaltig und eloquent in einer Sprache, die heutzutage in der Welt immer mehr um sich greifender Amerikanismen fesselt. Ein Muss für Leser, die Freude an einer philosophischen Gedankenwelt und großartiger Sprache empfinden.
Leonie Swann "Glennkill" (Ein Schafskrimi)

Eines Morgens liegt Schäfer George tot im Gras, von einem Spaten an den Boden genagelt. Miss Marple, das klügste Schaf der Herde beginnt zu ermitteln.
Schafe, und wie sie die Welt sehen. Glennkill íst spannend, ironisch, warmherzig, ausgesprochen witzig, tiefsinnig und voller Überraschungen, eine hinreißende Betrachtung der Menschen und ihrer Merkwürdigkeiten aus der Sicht von Schafen, voll feinem Humor.
Stilistisch leicht geschrieben, eine Lektüre, die nicht eher weggelegt wird, bis der Mörder überführt ist. Jeder Leser wird Schafe mit anderen Augen betrachten. Ein wundervolles Buch, beste Unterhaltung.
Heinrich Mann: "Der Untertan"

Ich weiß nicht, ob dieses Buch heute noch immer Pflichtlektüre des Deutschunterrichts auf Gymnasien ist. Ich weiß nur noch, ich habe sie damals verflucht, was aber auch an meinem Lehrer und dessen politischer Einstellung lag.
Ich habe das Buch jetzt nochmals gelesen, im Krankenhaus kommt der Mensch schnell auf solcherlei Gedanken. Es spielt um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhundert, der so genannten Wilhelminischen Zeit, und zeigt ein Gesellschaftsbild von uns Deutschen, das man nur mit einer großen Portion Sarkasmus ertragen kann. Allerdings hat der Inhalt nie an Aktualität verloren. Setzt man statt „Untertan“ Beschreibungen wie Opportunist, Mitläufer oder Konformist, so hätte der Roman nicht nur 1933, er hätte zu jeder Zeit geschrieben werden können. Auch an dem politischen Klüngel, der in dem Buch aufgezeigt wird, hat sich nicht viel geändert, abgesehen von der Höhe der Schmiergelder, die beträchtlich gewachsen ist.
Der Protagonist, den Heinrich Mann beschreibt, ist ein Obrigkeitshöriger, ein Unpolitischer ohne Mut und Zivilcourage. Daheim ist er jedoch ein Tyrann, ein Möchtegern, der zur damaligen Zeit seine Familie, besonders die Frauenwelt auf eine Weise tyrannisierte, die den Leser von heute peinlich berührt.
In diesem Buch unterstreicht der Autor nachhaltig, mit welcher Meisterschaft er zu erzählen weiß. Hier findet der Leser noch ein Deutsch, das längst abhanden gekommen ist. Und wer sich heute mit Prosa müht, kann bei ihm noch einen Wortschatz nachlesen, von dem nur ein kleiner Teil schon manch einem gut zu Gesicht stünde. Bemerkenswert auch seine psychologische Beweisführung und die mit Ironie vorgenommene Distanzierung.
„Der Untertan“ ist und bliebt große deutsche Literatur!
Francois Lelord: "Hector und die Entdeckung der Zeit"

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt: „Wo ist nur die Zeit geblieben?“ François Lelord, französischer Autor, Weltenbummler und Arzt und Psychiater von Beruf lässt in seinem neuen Bestseller seinen Protagonisten Hector nach der Zeit suchen, nachdem dieser bereits zuvor auf der Suche nach den Wegen des Glücks und der Liebe war.
In kleinen, flüssig geschriebenen Geschichten (hervorragend als Gute-Nacht-Geschichten geeignet!) berichtet Hector über Erfahrungen, die er in seinem Leben als Psychiater, aber auch durch Besuche bei den Inuit und Mönchen in China sammelt. In 24 Etüden schreibt er stichwortartig seine gewonnenen Erkenntnisse auf.
Das Buch plätschert wunderbar leicht und locker dahin und quält den Leser nicht mit unverständlichen philosophischen Ergüssen, und trotz der Leichtigkeit versteckt sich in fast jedem Satz Nachdenkenswertes. Liebhaber der Belletristik werden dieses Buch, das verdientermaßen auf den Bestsellerlisten steht, mögen und noch eine Menge für ihr Leben lernen, haben wir doch alle in modernen Gesellschaftsformen mit dem Problem Zeit zu kämpfen.
Khaled Hosseini: "Drachenläufer"

Was wissen wir schon über Afghanistan, einem Land am Hindukusch mit 57 Sprachen und 200 Dialekten und den dazu gehörenden Völkern und Stämmen, außer den täglichen Schreckensmeldungen in den Fernsehnachrichten? Ich vermute: eher nichts.
Durch die Filmrezensionen in den Kulturnachrichten wurde ich auf das Buch Drachenläufer von Khaled Hosseini aufmerksam, einem mittlerweile in den USA lebenden afghanischen Arzt und Schriftsteller. Er vermittelt dem Leser mit diesem Buch einen tiefen Einblick in die neuzeitliche afghanische Geschichte und deren Gesellschaftsstruktur.
In der Tradition der Geschichtenerzähler erzählt er das ergreifende Schicksal der beiden Jungen Amir und Hassan und ihrer unglücklichen Freundschaft. Es ist eine dramatische Geschichte über Liebe und Verrat, Trennung und Wiedergutmachung vor dem Hintergrund der jüngsten Vergangenheit. Der Junge Amir lädt in jungen Jahren eine Schuld auf sich, die er mit nach Amerika nimmt, nachdem seine Familie vor den Taliban dorthin geflüchtet ist. Eine Rückkehr in das heutige Afghanistan gibt ihm die Chance, sich ein wenig von seiner Schuld zu befreien.
Durch dieses Buch werden dem Leser die Verhältnisse in dem Land und die Gesellschaftsordnung, die für uns so schwer verständlich ist, näher gebracht. Es werden aber auch schreckliche Szenen geschildert wie eine Steinigung von Ehebrechern in der Halbzeit eines Fußballspiels zur Volksbelustigung. Bei der Lektüre solcher Szenen müssen wir uns fragen, was treibt die Deutschen eigentlich dazu, dieses unregierbare Land befrieden zu wollen. Schon die Engländer, danach auch die Russen sind in den kargen Weiten dieses Landes an diesem Unterfangen kläglich gescheitert.
Dieses Buch sollte jeder lesen. Selbst wenn, wie in jedem anderen Buch auch, die eine oder andere Szene konstruiert klingen mag, so wird der Leser manche Dinge besser zu verstehen lernen. Ich bin selten durch ein Buch geflogen wie durch dieses.